Abteilung (Des-)Information: Nagra goes Hollywood

dvd_die loesungNervenflattern mit der Nagra: Die Schweizer Atommüll-Entsorger haben einen Film gedreht. Das cinematographische Grauen erreicht neue Dimensionen.

Es herrscht Aufregung in der Zeitungsredaktion: Bei der lokalen Abfallverwertungsanlage ist ein Lastwagen mit radioaktiver Leuchtfarbe entdeckt worden. Ein klarer Fall für Starreporterin Judith Althaus (Ginger Wagner): Hier muss recherchiert werden! Während Redaktionskollege «Blackie»(Daniel Frei) im Büro der Leserschaft auf exakt 15 Zeilen erklärt, was radioaktive Strahlung ist, hetzt die rasende Reporterin unangemeldet ins Paul-Scherrer-Institut (PSI) nach Würenlingen und nimmt dort nach einigen Drohungen gegen die widerspenstige Empfangsdame – «Ich kann diese Story auch vom Pult aus schreiben: “Pfusch der Atomheinis – Schweiz bedroht”» – den zuständigen Chef «Doktor Haller» (Peter Holliger) mit journalistischer Brutalität sondergleichen in die Zange: «Und wer zahlt für all das? Sicher der Steuerzahler!»

Inmitten der strahlenden Abfälle hat Reporterin Althaus dann aber die Erleuchtung: Was der vertrauenswürde Doktor Haller und der eilends hinzugezogene Nagra-Experte «Herr Girard» (Yves Raeber) erzählen, ist keine Skandalgeschichte, sondern schlicht «Die Lösung»! Althaus, von der Last der Skepsis befreit, rast in die Redaktion zurück, tippt eine Frontseite samt Kommentar und Grafik mit einem flammenden Plädoyer für Endlager für hochradioaktive Abfälle voll und entsorgt schliesslich – Achtung Symbolik! – die PET-Flasche, aus der sie getrunken hat, nicht im normalen Abfall, sondern im dafür vorgesehenen Sammelbehälter.

13 Minuten dauert «Die Lösung», das Opus magnum der Schweizer Propagandafilm-Geschichte. Beschert hat es uns den «Thriller mit schnellen Dialogen und temporeicher Handlung» (Klappentext) die Nagra, die «Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle».
Der Zuschauer allerdings wundert sich ein wenig: Warum etwa recherchiert Edelfeder Althaus nicht, woher das radioaktiv verstrahlte Material kommt, das in der KVA hätte entsorgt werden sollen? Warum heisst ihr Arbeitgeber ausgerechnet «Mittelland-Anzeiger», wo doch sämtliche Personen, Orte und Handlung «rein fiktiv» sind? Sind demnach auch das PSI und die Zwischenlager für radioaktive Abfälle fiktiv? Und vor allem: Warum tönt die unerschrocken-unabhängige Starreporterin nach zehn Filmminuten bereits wie eine PR-Verantwortliche der Nagra?

Man bräuchte eine wahrhaft unerschrockene Rechercheurin, um diese Fragen aufzuklären. Althaus übernehmen Sie.

PS: Für Suspense-Fans: «Die Lösung» online

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