Ansichten eines Scheissjournis

Nach den folgenden Zeilen werde ich ein Scheissjourni sein. Ein Schreiberling, der für ein kapitalistisches Medium arbeitet und daher für die revolutionäre Sache per definitionem verloren ist. Einer, der lieber mit den «Bullen» paktiert als diese zu bekämpfen.

Der Grund für die absehbare Ächtung durch die revolutionären Kreise ist simpel: Mir graut davor, dass Sympathisantinnen und Sympathisanten von «AKW Ade» ab Anfang September die Zufahrt zum AKW Mühleberg blockieren und so dessen Abschaltung erzwingen wollen.

Dabei hatte das Anti-AKW-Camp, das von April bis Ende Juni am Berner Viktoriaplatz direkt vor dem Hauptsitz der BKW stand, ja durchaus positive Seiten: Es gab Musik, Flugblätter, Strom aus Solaranlagen und vor allem die tägliche Botschaft an die BKW-Oberen, dass das marode AKW Mühleberg endlich abgeschaltet werden solle. Dagegen war nichts einzuwenden.

Etwas irritiert war ich jedoch, als ich auf «Telebärn» die Bilder von der polizeilichen Räumung des Camps sah. Da tauchten plötzlich altbekannte Gesichter und Namen auf. Allen voran: Giovanni Schumacher, Revolutionär der ersten Stunde und seit Jahrzehnten in Bern überall dabei, wo es gegen die Staatsmacht zu protestieren gilt. Nur in der Anti-AKW-Bewegung ist «Fashion» (so der Szenename) bisher noch nie aufgefallen – mir zumindest nicht.

So wird mir beim Gedanken, dass ab dem 4. September die Zufahrt zum AKW Mühleberg blockiert werden soll, ziemlich «gschmuech». Zwar wird auf der Website der Bewegung zu «Aufrichtigkeit, Respekt und Gesprächsbereitschaft» aufgerufen wird und man betont, Polizei und Angestellte des AKWs seien «nicht unsere Gegner». Wenn aber selbsternannte Kämper gegen Staatsmacht und «Bullenterror» in der vordersten Reihe stehen, dann dürfte das der Sache abträglich sein. Gegen das AKW Mühleberg gibt es zahlreiche bessere Argumente als revolutionäre Parolen: Risse im Kernmantel, die Überflutungsgefahr, die unzureichende Kühlung des Brennelementbeckens, um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Aber eben: Ein Scheissjourni versteht das wohl einfach nicht.

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Ein Gedanke zu „Ansichten eines Scheissjournis

  1. Sälü Thomas

    Nein, als schlechten Journi würde ich Dich nicht bezeichnen. Denn Dein Artikel ist derart peinlich, unsolidarisch, von persönlichen Früsten geprägt und klichéehaft, dass ich ihn nicht ernsthaft als journalistischen Beitrag einstufen kann.

    Offenbar dürfen sich in Deiner Welt – ähnlich wie in den Vorstellungen gewisser atomkraftfreundlicher Mitmenschen – nur brave staatstragende Grünliberale und sandalenbewaffnete „Gutmenschen“ mit Ökomönch/-nonnen-Prüfung und ohne gesellschaftsverändernde Visionen gegen den Schrottreaktor in Mühleberg engagieren.
    Blöd nur, dass bei einem Super-GAU auch „selbsternannte Kämper gegen Staatsmacht und „Bullenterror““ verstrahlt und vertrieben würden – und daher auch ein „selbsternanntes“ Interesse haben, dass Mühleberg nie wieder ans Netz geht.

    Offensivere – wenn auch gewaltfreie – Aktionen nicht erwünscht? Wieso – Angst davor, links überholt zu werden? Angst vor der „Strasse“? Angst vor politischen Inhalten? Und das vor den Wahlen? Angst, dass mensch plötzlich „wahlkampfschädliche“ Positionen einnehmen müsste?

    Energiekonzerne, Atomlobby, Ensi und Nagra sind JETZT am Wüten, Mühleberg ist JETZT ein Problem und wird jeden Tat eine grössere Bedrohung. Darum gilt es auch JETZT Widerstand zu leisten – und nicht zu warten, um in vier Jahren vielleicht über einige Initiativen abstimmen zu können. Letzteres muss auch sein – aber ersteres eben auch.

    Drum prüfe, wem Du „journalistisch“ in den Rücken schiesst… 🙂

    Wir machen Schluss mit dem AKW Mühleberg. Du auch?
    http://www.aussitzen.ch

    Liebe Grüsse

    Tom

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