Betrifft: Reisevorschläge

Liebes Nuklearforum

Wenn die Zeiten hart sind, muss man mit den Ressourcen sparsam umgehen. Ich verstehe daher nur allzu gut, dass du für deine nächste Medienreise nicht Kreti und Pleti eingeladen hast. Stattdessen nimmst du nur eine auserlesene Schar Journalistinnen und Journalisten mit, um am 6. und 7. Juli in London britische Parlamentarier zu treffen. Die Lords und Commons sollen dann via Nuklearforums-Reisegrüppchen den Schweizerinnen und Schweizern (und vor allem den Ständeräten, die im Herbst über den Atomausstieg abstimmen werden), die Vorteile erklären, die ein Festhalten an der Atomenergie angeblich haben.

Ganz ehrlich, liebes Nuklearforum: Ich wäre sowieso nicht mitgekommen, selbst wenn du mich eingeladen hättest. Parlamentarier, die daran glauben, dass die Atomenergie eine Zukunft hat, habe ich vor dem 11. März genug gehört und gesehen. (LINK???) Und spätestens nach den Wahlen im Herbst werde ich sie wieder hören und sehen, dessen bin ich mir sicher. Ob die jetzt in Westminster oder im Bundeshaus sitzen – besonders interessant stelle ich mir das Programm nicht vor (ok, ich kenne es mangels Einladung auch nicht).

Da wüsste ich schon ein paar spannendere Reiseziele, liebes Nuklearforum, und wenn du dorthin mal einen Ausflug organisierst, bin ich gerne dabei:
Attraktiv wäre zum Beispiel das ehemalige Salzbergwerk Asse, wo die Atommüllfässer still vor sich her rosten und die nukleare Brühe steigt und steigt.
Fast um die Ecke liegt das ehemalige AKW Greifswald. Dort könnte man am strahlenden Objekt betrachten, was es heisst, ein Werk zurückzubauen (und sich mit den Verantwortlichen über die Kosten unterhalten, die marginal über Budget liegen).
Oder wäre es mal mit einer Reise in die Stadt Arlit im Niger? Man könnte dort einmal die Arbeits- und Lebensbedingungen in den grossen Uranminen anschauen und ein paar Messungen anstellen. Das wäre doch etwas ganz anderes als mit Parlamentarieren zu konversieren, findest du nicht, liebes Nuklearforum?

In Musljumovo bei Majak war ich übrigens schon. Wenn du Schweizer Journalistinnen und Journalisten zeigen willst, wie man dort in der kontaminierten Zone lebt, so brauchst du mir keine Einladung zu schicken, liebes Nuklearforum. Sonst aber freue ich mich über eine Einladung. Dosimeter und Schutzanzug würdest du sicher auch organisieren, oder?

Freundlich grüsst

Thomas Angeli

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