Bitte nicht stören

Die Gerüchte kursierten schon seit zwei Tagen. Nun stellt sich heraus: Sie waren wahr: Das AKW Mühleberg geht wieder am Netz. Still und heimlich hat das Nuklearsicherheitsinspektorat (Ensi) am 23. September der BKW die Bewilligung für das Wiederanfahren erteilt. Auf eine Medienmitteilung verzichtete man bei der Aufsichtsbehörde. In der Top-Story auf der Ensi-Website darf stattdessen Direktor Hans Wanner (oder sein PR-Berater in seinem Namen) das Bekenntnis abgeben, dass bei Ensi-Mitarbeitern die Einstellung für oder gegen Atomkraft nichts, die berufliche Qualifikation jedoch alles bedeute.

Ebenso still und heimlich hat die BKW reagiert: Der Berner Stromkonzern, der sonst wegen jeder Baubewilligung für ein Kleinwasserkraftwerk eine Medienmitteilung verfasst, berichtete – gar nichts.

Erst am Samstag um 11.55 Uhr – einen ganzen Tag, nachdem die Bewilligung erteilt worden war – meldete sich schliesslich das Ensi. Via Twitter wurde die für die BKW frohe Botschaft in die Welt getragen, es hätten sich bei der Sicherheitsüberprüfung der Nachrüstungen «keine Befunde ergeben, die ein Wiederanfahren der Anlage und einen sicheren Leistungsbetrieb in Frage stellen würden». Nachdem die BKW Ende Juni ein «Vorkommnis» – konkret: seit 1972 bestehende Sicherheitsmängel – gemeldet und das AKW fünf Wochen früher als geplant vom Netz genommen hatte, ist jetzt also angeblich alles wieder in Ordnung.

Ein Entscheid, auf den die halbe Schweiz seit Wochen wartet, der erst nach einem Tag halbherzig kommuniziert wird? Da wird man den Verdacht nicht los, dass sich jemand die Party nicht durch spontane Proteste verderben lassen wollte.

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