UPDATE: Die BKW fragt nach (und die Alpiq auch…)

Die BKW möchte ein neues AKW bauen. Dazu braucht sie aber erst einmal eine Stromlücke. Alles eine Frage der richtigen Frage, wie auch eine Umfrage der Alpiq zeigt.
Will ein Unternehmen etwas Grosses in die Landschaft stellen, so braucht es dafür eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP), die es selber zu berappen hat. Will ein Unternehmen nun etwas ganzganz Grosses in die Landschaft stellen und befürchtet überdies, dass die Konkurrenz die besseren Karten hat, so tut dieses Unternehmen gut daran, sich dieses ganzganz Grosse schon in einem frühen Stadium mit einer Meinungsumfrage quasi-demokratisch absegnen zu lassen.
Die BKW hat deshalb kürzlich das Volk befragt. Schliesslich befürchtet sie, dass a) besagtes Volk die Notwendigkeit für einen neuen Atommeiler, wie ihn die BKW in Mühleberg plant, nicht einsieht und/oder dass b) Axpo oder Alpiq den Zuschlag dafür erhalten. Kann man nun aber mit einer Umfrage zeigen, dass das Volk a) ein neues AKW für nötig erachtet und es dieses b) erst noch in Mühleberg möchte, dann hilft das gewaltig. Und oh Wunder: Die Resultate geben der BKW recht: 62 Prozent der Bevölkerung im Umkreis des Alt-Reaktors glauben, dass es eine «Stromlücke» gibt. Und immerhin 56 Prozent sind einem Mühleberg-Ersatz gegenüber positiv eingestellt.

Nun verhält es sich mit Meinungsumfragen bekanntlich ähnlich wie mit UVPs: Sie bringen selten ein Resultat hervor, das den Intentionen des Auftraggebers widerspricht. Alles, was es dazu braucht, ist die richtige Fragestellung. Wie man in dieser Hinsicht auf Nummer sicher geht, zeigt die BKW geradezu vorbildlich:

«Bundesrat, ETH und verschiedene Studien gehen davon aus, dass die Schweiz spätestens 2020 auf eine Verknappung der Stromversorgung, die sogenannte «Stromlücke», zusteuert. Teilen Sie diese Erwartung?»

Wow! Bundesrat, ETH und «verschiedene Studien» gleichzeitig! Und da wagen impertinente 38 Prozent der Befragten immer noch, die Existenz der «Stromlücke» anzuzweifeln! Aber nicht verzagen, liebe BKW, für die nächste Umfrage ist durchaus Optimierungspotenzial vorhanden. Wie wäre es zum Beispiel mit der folgenden Frage:

«Bundesrat, ETH, zahllose Studien, Barack Obama, der Papst, Roger Federer und Oesch’s die Dritten sind hundertprozentig sicher, dass die Stromlücke in der Schweiz unmittelbar bevorsteht. Teilen Sie diese unbestreitbare Überzeugung?»

UPDATE 10.8.09:
Auch die Alpiq hat nachgefragt…

…und dies mit einem etwas anderen Resultat. «Was fällt Ihnen ein, wenn Sie an die Energiesituation in unserem Land denken, an Produktionskapazitäten, Produktionsarten und Verbrauch?», wollte der Stromkonzern in einer repräsentativen Umfrage wissen. 40,3 Prozent – und nicht 62 Prozent wie bei der BKW-Umfrage – antworteten darauf mit «Stromknappheit».

Weniger im Sinn der Alpiq dürften die Antworten auf die Anschlussfrage ausgefallen sein: «Welche Lösung würden Sie vorziehen?», fragte die Alpiq strikt neutral. Die Antwort: 56,6 Prozent der Befragten erklärten, sie wünschten sich eine «Entwicklung der erneuerbaren Energien». Die «Optimierung der Stromerzeugung mit Wasserkraft» brachte es immerhin auf 16,8 Prozent, eine Lösung über die «Stabilisierung des Verbrauchs» sehen 13,1 Prozent als die richtige an. Offensichtlich keine Lösung ist nach Ansicht der Befragten die Atomkraft: Sie brachte es auf eine Zustimmung von gerade einmal 4,5 Prozent – eine Tatsache, die Alpiq, die wie die BKW (und die Axpo) einen neuen Atommeiler bauen möchte, in ihrer Medienmitteilung sehr diskret behandelt. Letztlich ist halt alles eine Frage der richtigen Frage.


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5 Gedanken zu „UPDATE: Die BKW fragt nach (und die Alpiq auch…)

  1. Letztlich stimmt das Volk über neue Kernkraftwerke an der Steckdose ab. An der Urne wird lediglich entschieden, ob neue KKW in der Schweiz oder anderswo gebaut werden. Wenn Gaskraftwerke gebaut werden sollten, müssen die Russen mehr Gas exportieren und entsprechend in ihrem Land Gas durch Kernenergie ersetzen. Wenn der Atomstrom zukünftig noch mehr aus Frankreich kommen soll, sind die Franzosen gefordert.

    Im ersten Quartal 2009 ist der Stromverbrauch trotz der starken Rezession erneut angestiegen….

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