Do it again, Eyjafjallajökull!

Da sind wir wieder einmal haarscharf an der ganz grossen Katastrophe vorbeigeschrammt. Fast hätte das isländische Monster mit dem schier unaussprechlichen Namen Eyjafjallajökull das fragile Gebäude unseres hedonistischen Lebensstils in Schutt und Vulkanasche gelegt, doch Feuerspeier und Flugaufsichtsbehörden zeigten im letzten Moment ein Einsehen und verhinderten das ganz grosse Debakel.

Dabei liefen wir schon nach knapp drei Tagen Luftraumsperre mehr oder weniger auf dem Zahnfleisch. In lebenswichtigen Bereichen drohten Versorgungsengpässe der übleren Sorte: Für Sushi-Liebhaber etwa kündigte sich eine verhängnisvolle Verknappung von frisch eingeflogenem asiatischen Fisch an. Gourmets mussten plötzlich mit Ware aus Spanien vorlieb nehmen, statt echten kalifornischen Spargeln geniessen zu können. Grossverteiler meldeten leere Gestelle bei Grundnahrungsmitteln wie Papayas, Mangos oder Ananas, zudem waren laut «St. Galler Tagblatt» Morcheln, Jakobsmuscheln und Frischkräuter nur beschränkt erhältlich.

Eigentlich schade, dass dieser Eyjafjallajökull den Luftraum nur ein paar Tage lahmgelegt hat. Wir hätten gerne noch ein wenig länger darüber gestaunt, was von unseren Konsumgütern und kulinarischen Belustigungen tagtäglich und unter Verwendung von Unmengen von klimaschädigenden, fossilen Treibstoffen durch die Lüfte transportiert wird. Möglicherweise hätten wir dann aus Langeweile über das täglich anschwellende Gejammer der Fluggesellschaften über ihre ebenso anschwellenden Verluste darüber nachzudenken begonnen, ob wir nicht ein paar Wochen auf einheimische Spargeln warten statt kalifornisches Gemüse einfliegen lassen wollen. Oder ob Frischkräuter nicht am besten sind, wenn sie tatsächlich frisch und lokal geerntet statt frisch importiert sind. Oder ob man sich an Tulpen aus dem Garten nicht ebenso erfreuen kann wie an Rosen aus Ecuador .

In diesem Sinn: Do it again, Eyjafjallajökull! Vielleicht hilfts ja.

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