Energieeffizienz: Abwarten und Kaffee trinken

Es sollte eine gute Nachricht sein: Dank neuer Energieetikette für Kaffee­maschinen werde es einfach, stromsparende Modelle auszuwählen, verkündete das Bundesamt für Energie (BFE) im Oktober – eine Ankündigung, an der der Energie- und Umweltblogger schon damals zweifelte, und das aus einem simplen Grund: Die Etikettierung ist freiwillig

Ein gutes halbes Jahr später zeigt sich, dass weder Händler noch Hersteller es besonders eilig haben, die Energieeffizienz der Geräte tatsächlich auszuweisen. Interdiscount will die Etikette im Herbst einführen, Fust «voraussichtlich im Herbst/Winter 2010». Die Migros erklärt, man sei bestrebt, «so bald wie möglich alle Geräte deklarieren zu können», aber: «Da die Schweiz hier international Vorreiter ist, sehen gewisse Produzenten aufgrund ihrer internationalen Ausrichtung teilweise zu wenig Handlungsbedarf.»

Rudolf Bolliger vom Fachverband Elektroapparate spielt den Ball an den Handel zurück: Die Kriterien für die Etikette seien so streng, dass nur ein kleiner Teil der Geräte in die Kategorie «A» komme. Weil der Detailhandel A-Geräte bevorzuge, sei es für die Hersteller nicht attraktiv, ihre Maschinen zu kennzeichnen.

Für BFE-Sprecherin Marianne Zünd ist die Etikette trotzdem «eine Erfolgsgeschichte»: «Bereits als mit der Erarbeitung der Etikette begonnen worden war, stellten die Hersteller ihre Produktion auf energieeffizientere Kaffeemaschinen um.» Bloss komisch, dass sie das nicht deklarieren.

Dieser Beitrag ist in Beobachter 11/10 erschienen.


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2 Gedanken zu „Energieeffizienz: Abwarten und Kaffee trinken

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