It’s the power mix, stupid!

Die Energiesparlampe ist besser als ihr Ruf – und für ihre Ökobilanz ist vor allem der Konsument verantwortlich.

Zufall oder nicht: Kurz bevor das letzte Stündlein der stromfressenden 100-Watt-Glühbirne schlug, hagelte es an ihrer Nachfolgerin, der Energiesparlampe, Kritik: Sie sei nicht halb so ökologisch wie behauptet, spare weniger Strom als angegeben und müsse wegen ihres Quecksilbergehalts als Sondermüll entsorgt werden.
Nun haben die drei Forscher Roland Hischier, Tobias Welz und Lorenz Hilty von der Eidgenössischen Materialprüfungsanstalt (EMPA) die Sache genauer unter die Lupe genommen und die Ökobilanz von Energiesparlampen mit derjenigen von herkömmlichen Glühbirnen, Halogenlampen und Fluoreszenröhren verglichen. Das Resultat ihrer Untersuchungen, die den gesamten Lebenszyklus von der Produktion bis zur Entsorgung beinhaltete: Energiesparlampen sind von den vier untersuchten Leuchtkörpern am ökologischsten, und zwar selbst wenn sie nicht rezykliert, sondern im normalen Hausmüll verbrannt werden.

Mindestens ebenso interessant wie dieses Resultat ist jedoch ein anderes, das in der Medienmitteilung der EMPA nur ganz am Schluss erwähnt wird: Beim Betrieb von Lampen ist weniger deren Bauart als vielmehr die Zusammensetzung des Stroms wichtig, mit dem sie zum Leuchten gebracht werden. Die Forscher der EMPA-Abteilung „Technologie und Gesellschaft“ haben dazu den „environmental break-even point“ errechnet, also die Brenndauer, nach der zwei unterschiedliche Lampen die Umwelt gleich stark belasten. Lässt man nun eine Glühbirne und eine Energiesparlampe mit „europäischem“, also grösstenteils in Kohle- oder Gaskraftwerken produziertem Strom, brennen, so ist die Umweltbilanz der Energiesparlampe bereits nach 50 Stunden besser als diejenige der Glühbirne. Mit „sauberem“ Strom aus Schweizer Wasserkraft, dauert es immerhin 187 Stunden (oder knapp acht Tage), bis die Energiesparlampe der Glühbirne ökologisch überlegen ist.

Fazit: Wer seine Beleuchtung umweltverträglich gestalten will, sorgt als erstes dafür, dass sein Elektrizitätswerk sauberen Strom ins Haus liefert – und zwar wirklich sauberen Strom, sprich: solchen, der nicht aus Pumpspeicherwerken stammt, die Strom aus europäischen Kohle- und Atomkraftwerken „veredeln“. Wer noch mehr tun wird, besorgt sich – zweitens – Energiesparlampen, oder – drittens – wo es sinnvoll ist, gleich die noch viel sparsameren LED-Leuchten. Oder verbringt einfach wieder einmal einen Abend bei Kerzenschein.

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2 Gedanken zu „It’s the power mix, stupid!

  1. Wenn es nur so einfach wäre. Aber wer schon einmal eine aufwändigere Beleuchtung gemacht hat, weiß, dass da auch andere Faktoren zu berücksichtigen sind, Anschaffungs- und Installationskosten, Kompatibilität, Dimmbarkeit, Lichtfarbe, Aufwärmzeit… Ganz so leicht geht es leider nicht.

  2. In meinem Mietshaus in Qatar wird es im Winter während etwa 30 Tagen saukalt und da die Klimaanlagen hier nur einseitig funktionieren ist das Heizen der nicht isolierten Häuser ein Problem.
    Spare oder verschwende ich Energie, wenn ich anstatt einer elektrischen Warmluftheizung („Heizöfeli“) mit 2000 Watt die unzähligen Lampenfassungen mit 20 Hundertwattglühbirnen versehe?
    Vermutlich verschwende ich Energie, wenn ich mich sonst den ganzen Tag in der Nähe des Heizofens bewegen würde, spare jedoch, wenn das Anliegen darin besteht, das Haus gleichmässig zu beheizen.
    Der Ansatz der Tüftler in Deutschland, welche Glühlampen als Heizungen verkaufen wollen, darf nicht einfach unbesehen als unsinnig bezeichnet werden (zbsp hier:
    http://facts.ch/articles/4708707-verbot-umgangen-die-gluhbirne-als-heizung )
    Selbst ein „Standbyverlust“ ist nur dann unbesehen ein Verlust, wenn im Haus nicht sowieso mit einer Widerstandsheizung geheizt wird, was zugegebenermassen nicht mehr gemacht werden sollte…

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