Leibstadt: S isch nüt passiert

Laut dem AKW Leibstadt hat der verstrahlte Taucher keine gesundheitlichen Schäden zu befürchten. Dabei stehen die wichtigsten Untersuchungsresultate noch aus.

©Barbara Eckholdt / pixelio.de
«S isch nüt passiert, s isch nüt passiert, s isch alles wunderbar. Nume ganz äs chliises Bitzli isch drnäbe, doch äs beschteiht kei Gfahr». So sang der bekennende AKW-Gegner Franz Hohler schon 1987 – und irgendwie kommt man auch 24 Jahre später nicht an dem Lied vorbei. Auch bei der Verstrahlung eines Tauchers im Kernkraftwerk Leibstadt (KKL) vom 31. August 2010 ist nämlich fast nichts passiert, wenn man den offiziellen Verlautbarungen glaubt. Dabei, so enthüllte der «Beobachter», bekam der Taucher in einem Tauchgang eine Dosis von 28 Millisievert ab, 40 Prozent mehr als für Berufsleute in einem AKW während eines Jahres erlaubt ist. An der Hand betrug der Wert gar 7,5 Sievert (nicht MilliSievert!).

Über die gesunheitlichen Folgen für den Taucher ist in den beiden Untersuchungsberichten nicht die Rede. Etwas erstaunt musste man deshalb zur Kenntnis nehmen, dass KKL-Betriebsleiter Andreas Pfeiffer gegenüber der Schweizerischen Depeschenagentur erklärte, der betroffene Taucher habe «keine gesundheitlichen Schäden zu befürchten». Noch im Gespräch mit dem Schreibenden für den «Beobachter»-Artikel hatte Pfeiffer erklärt, er wisse nicht, ob der betroffene Taucher überhaupt noch ärztlich überwacht werde.

Nun zeigt ein Artikel im «Le Matin», dass Pfeiffer entweder mehr weiss als der Taucher selber – oder einfach die für das KKL bestmögliche Behauptung in die Welt gesetzt hat. Noch fehlen nämlich die Resultate der Blutanalyse, die durch ein britisches Labor durchgeführt wird. Erst diese Werte werden letztlich aufzeigen, ob der Taucher längerfristige gesundheitliche Schäden – etwa genetische Mutationen – zu befürchten hat. Bisher habe er nicht die geringsten Beschwerden, sagt der Taucher im «Le Matin», und: «Falls man mich bitten würde, meine Tauchausrüstung wieder anzuziehen und noch einmal im gleichen Becken zu tauchen, täte ich das mit Vergnügen.»

Es ist eben nüt passiert. Fast nüt.

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3 Gedanken zu „Leibstadt: S isch nüt passiert

  1. Es ist immer wieder die gleiche Geschichte. Erinnert Ihr Euch an „Ganz unten“ von Günter Wallraff (1985)? Schon er hatte berichtet, wie in AKWs die Wahrheit geschönt oder verdreht wird, weil zu grosse finanzielle Interessen auf dem Spiel stehen – oft wird das Scheinargument der „sicheren Arbeitsplätze“ vorgebracht.
    Es erstaunt nicht, dass der Taucher Dominique Wüest sofort wieder im AKW tauchen würde – meines Wissens werden solche Tauchgänge überaus gut bezahlt. Wer will da schon nein sagen?
    Natürlich hoffe ich, dass Wüest keinen Schaden davon trägt, doch hält sich mein Mitleid in Grenzen, wenn er wieder in der „heissen Zone“ taucht.
    Noch etwas: Skandalös, dass er offenbar noch immer keinen Bescheid aus dem Labor im U.K. hat. Was wird da verschlampt, resp. geheim gehalten? Unmenschlich oder liederlich? Thomas, das wäre eine Sub-Recherche wert, meinst Du nicht?

  2. Da fragt sich der besorgte Leser ob der Unbesorgtheit des Tauchers: Könnte es sein, dass seine positive Stimmung mit irgendwelchen Geldflüssen zusammenhängt?

  3. 28 mSv sind weit weniger, als ein Mensch bei einem CT abbekommt. Die Hand ist der so ziemlich unempfindlichste Teil des Körpers, was Strahlung angeht. Somit sind auch diesbezüglich keine Folgeschäden zu erwarten. Im Vergleich dazu wäre eine Statistik interessant von Unfällen beispielsweise im Baugewerbe oder im holzverarbeitenden Gewerbe… da sind Gliedmaßen oder der Mensch ansich eben einfach mal nicht mehr vorhanden. Und das ist (leider) die Regel. Schreib doch da mal drüber!?!?

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