Mühleberg: BKW vertuscht Überflutungsgefahr

Interne Mails zeigen: Die BKW hat bewusst Informationen über mögliche Überschwemmungen beim AKW Mühleberg zurückgehalten.

So haben sich die Verantwortlichen Bernischen Kraftwerke AG (BKW) den Abstimmungskampf um ein neues AKW in Mühleberg sicher nicht vorgestellt. Statt die Vorteile eines «Ersatzkernkraftwerks Mühleberg» (EKKM) preisen zu können, ist man am Hauptsitz des Stromkonzerns am Berner Viktoriaplatz derzeit vor allem damit beschäftigt, den Schaden in Grenzen zu halten. Erst kritisierten sogar bürgerliche Politiker das Unternehmen, weil es – knappe fünf Wochen vor der Konsultativabstimmung über das EKKM – seine Ziele für den Ausbau von erneuerbaren Energien um 40 Prozent reduziert hatte. Dann griff die Sonntagspresse einen «Beobachter»-Artikel auf, wonach beim EKKM auch ein Zwischenlager für hoch radioaktiven Abfall – nicht nur aus Mühleberg! – geplant ist. In ihrer Broschüre, die sie an sämtliche Haushaltungen in den Kantonen Bern und Jura veschickte, hatte die BKW ausgerechnet diesen Punkt vergessen.

Und nun das: Auf ihrer Website www.fokus-antiatom.ch veröffentlichten am Montag AKW-Gegner interne Mails der BKW vom November 2009. Die Dokumente sind brisant: Die Kommunikationsstelle der BKW erklärt darin der AKW-Projektierungsfirma Resun, man habe die für eine Präsentation bei Gemeindevertretern vorgesehene Folien überarbeitet. Wörtlich heisst es: «Wie ihr seht, haben wir die Folien zur Überflutung stark zusammengekürzt. Grund: Es könnten unangenehme Fragen zum KKM (dem bestehenden AKW Mühleberg, Red.) aufkommen, wenn wir die Resultate der Überflutungsberechnungen allzu transparent machen (die zeigen, dass das KKM je nach Szenario überflutet wird). Wir wollen da keine schlafenden Hunde wecken.»

Konkret heisst das: Das bestehende AKW kann offenbar gemäss Studien bei extremen Hochwasserereignissen überflutet werden. Der «Bund» verweist dazu auf Überschwemmungen im AKW in den Jahren 1999, 2005 und 2007, die aber nach Angaben der BKW jedoch allesamt «nicht sicherheitsrelevant» waren. Ebenfalls im «Bund» findet sich der Kommentar der BKW zu den Mail-Enthüllungen: Ein Mitarbeiter habe «in einem internen Mail unglückliche Formulierungen gewählt».

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