Pretty smart, Mister President

Manchmal gehen wichtige Meldungen im grossen digitalen Rauschen selbst dann unter, wenn sie von nicht ganz unwichtigen Akteuren der Weltgeschichte lanciert werden. So geschehen Ende Oktober, als US-Präsident Barack Obama bekanntgab, er wolle 3,4 Milliarden Dollar in eine «Strom-Revolution» stecken und damit das amerikanische Elektrizitätsnetz grundlegend erneuern. In der Schweiz war diese Ankündigung gerade mal drei Zeitungen ein paar wenige Zeilen wert.

Nun kann man zu Recht argumentieren, dass 3,4 Milliarden Dollar zur Erneuerung einer maroden Infrastruktur in einem Land wie den USA nicht eben revolutionär viel ist. Die Summe entspricht etwa einem Promille (!) des Betrags, den die Vereinigten Staaten bisher für den Krieg im Irak ausgegeben haben.

Interessant an der Meldung sind demnach weniger die 3,4 Milliarden Dollar, sondern vielmehr die Projekte, für die sie eingesetzt werden sollen. Mit dem Geld aus dem Staatsfonds sollen unter anderem rund 100 Projekte für so genannte «Smart Grids» unterstützt werden – «intelligente» Stromnetze, bei denen Stromproduktion und -Verbrauch besser aufeinander abgestimmt sind. Dank Smart Grids kann die Produktion von Strom aus erneuerbaren Energiequellen – etwa von Photovoltaik-Anlagen auf Hausdächern – oder von privat betriebenen Blockheizkraftwerken von einer zentralen Schaltstelle aus gesteuert und dem aktuellen Bedarf angepasst werden.

Voraussetzung für Smart Grids sind die «Smart Meters», intelligente Strommessgeräte, die den Benutzern einerseits den aktuellen Verbrauch anzeigen (und so zum Stromsparen animieren), und diesen in Echtzeit in die Steuerzentrale übertragen, damit die Stromproduktion exakt dem Bedarf angepasst werden kann. 18 Millionen davon sollen nun dank staatlicher Unterstützung in amerikanischen Haushalten installiert werden.

Während man also in den USA investiert und sich in Deutschland unlängst der Autobauer VW und der Ökostromanbieter Lichtblick für ein riesiges Smart-Grid-Projekt zusammengeschlossen haben, herrscht in der Schweiz eine gespenstische Funkstille. Den von den Stromversorgern betriebenen Online-Plattformen energiedialog.ch (Axpo) und immergenugstrom.ch (Alpiq), in denen es laut Eigenwerbung um die «Energiezukunft der Schweiz» geht, waren Smart Grids bisher keine Zeile wert. Die Infrastruktur der grossen Elektrizitätsversorger ist auf den lukrativen Stromhandel ausgerichtet und soll dies mit dem Bau neuer AKWs auch während der nächsten Jahrzehnte bleiben. Intelligente Lösungen für eine dezentrale Stromproduktion haben in diesem Denken wenig Platz, und inländische Produzenten von Smart Meters müssen ihre Absatzmärkte im Ausland suchen. Die Pionierarbeit bleibt kleinen EWs überlassen.

Da erinnert man sich unweigerlich daran, dass die Schweiz einst bei den Photovoltaikanlagen eine der höchsten Dichten der Welt hatte, mittlerweile aber gnadenlos ins Hintertreffen geraten ist, weil weder die Politik noch die Stromwirtschaft daran Interesse hatten. Es ist zu befürchten, dass sich die Geschichte wiederholen wird.

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