Schnitzeljagd à la BKW

Tue Gutes und sprich darüber. Das uralte Motto hat sich in den vergangenen Jahren bei den Bernischen Kraftwerken (BKW) zu einem regelrechten Sport entwickelt. Wer im BKW-Versorgungsgebiet wohnt und Zeitung liest, kommt kaum nach bei all den Meldungen über erdwärmegeheizte Tropenhäuser, Solardächer und Windkraftanlagen (die dann allerdings schon bei der Einweihung kleingeredet werden). Hauptsache, der bernische Stromkoloss kann sich als umweltfreundliches Unternehmen präsentieren.

Als neusten Coup präsentiert die BKW jetzt den «Energiepass». In der – selbstverständlich klimaneutral gedruckten – Broschüre sind neun Ausflugstipps aufgeführt, bei denen man die CO2-freie Stromproduktion und das BKW-Engagement für das Klima in einer Art Schnitzeljagd besuchen kann: die Photovoltaikanlage auf dem Mont Soleil etwa, den Windpark auf dem Mont Crosin oder das Wasserkraftwerk Aarberg. Bei jeder Anlage kann man sich den Besuch per Stempel bestätigen lassen. Wer drei Stempel vorweist, erhält ein Ecoman-Stromspargerät und kann an einem Wettbewerb teilnehmen. Als Hauptpreis winkt eine Fahrt mit einem Solar-Katamaran.

Alles schön und gut, aber die BKW wäre nicht die BKW, wenn sie bei dieser Gelegenheit nicht auch noch gleich ihre beiden Lieblingskinder ins rechte Licht rücken würde: So ist laut BKW auch der Strom, der im Pumpspeicherwerk an der Grimsel und im AKW Mühleberg produziert wird, CO2-frei und somit klimafreundlich.

Das ist milde ausgedrückt gewagt. Selbst BKW-Konkurrentin Axpo räumt mittlerweile ein, dass Atomstrom die Atmosphäre mit rund drei Gramm CO2 pro Kilowattstunde Strom belastet – Angaben übrigens, die Greenpeace stark in Zweifel zieht.
Und auch im als CO2-frei propagierten Pumpspeicherwerk an der Grimsel ist der Strom nicht so sauber, wie es die BKW gerne darstellt: Nacht für Nacht werden im Berner Oberland tausende von Kilowattstunden Strom aus ausländischen Kohlekraftwerken (und AKWs) gebraucht, um die Speicherseen zu füllen. Dass mit «dreckigem» Strom hinaufgepumpte Wasser wird tagsüber wieder in Strom verwandelt, den man dann als «CO2-frei» verkaufen kann.

Mit den tatsächlichen Vorgängen hat das wenig zu tun. Aber mit Imagepflege sehr viel.

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