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Atomare Junkbonds

Die BKW will das AKW Mühleberg bis 2022 weiterbetreiben und lässt sich das 370 Millionen Franken kosten. Für diesen Betrag könnte sie rund 300 Jahre lang Photovoltaikanlagen «fördern» – jedenfalls nach ihrem eigenen Modell.

170 Millionen Franken: Diesen Betrag will die BKW in die Nachrüstung des AKWs Mühleberg investieren, um den mittlerweile 40jährigen Reaktor am Netz und damit den Goldesel am Leben zu erhalten. Hinzu kommen jährlich bis zu 20 Millionen für sowieso notwendige Instandhaltungsarbeiten. Bis 2022, dem Jahr, in dem die BKW nach eigenem, mantramässig wiederholten Bekunden das AKW Mühleberg abstellen will, macht das stolze 370 Millionen Franken.

Zugegeben: Viel Geld in Museumsstücke zu verlochen scheint in der Schweizer Strombranche Mode zu sein, denn die BKW ist mit ihrer Investitionsfreude nicht allein: Die Axpo verbaut in den kommenden Jahren stolze 700 Millionen in Beznau.

Aber bleiben wir bei der BKW. Diese ist nicht nur bereit, 370 Millionen in eine Art atomare Junkbonds zu stecken, sondern investiert auch in Solarenergie. Momou, liebe Leserin, lieber Leser: Die BKW fördert die Nutzung der Sonnenkraft enorm. Nicht immer mit eigenem Geld zwar, aber wenn sie mal die Kasse öffnet, dann ergiesst sich ein wahrer Geldregen über das Versorgungsgebiet: Etwas mehr als eine Million Franken pro Jahr hält die BKW gemäss einem Sprecher bereit, um Besitzern von Photovoltaikanlagen beizustehen, die wegen der langen Warteliste noch nicht in den Genuss der Kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV) gelangen. Zwar meldete der «Bund» unlängst, dass die BKW die Vergütung pro Anlage senken will, aber etwas mehr als eine Million bleibt etwas mehr als eine Million.

Da soll jetzt keiner sagen, das sei mickrig! Klar könnte man mit dem Geld, das man in zehn Jahren ins AKW Mühleberg stecken will, locker 300 Jahre oder gar noch länger Photovoltaikanlagen «fördern» (jedenfalls nach dem Modell der BKW), aber solche Rechnungen machen nur ganz böswillige Geister. Denn stellen Sie sich einmal vor, sie würden 370 Millionen in Ihr zwar sinnfreies, aber grösstes Hobby investieren: Hätten Sie dann noch etwas mehr als eine Million übrig für etwas, das Sie eigentlich gar nicht wollen? Eben.

Die goldene Brücke zum Ausgang

Die BKW befördert ihren CEO Kurt Rohrbach zum vollamtlichen Vizepräsidenten des Verwaltungsrats. Das ist eine Chance.

Tja, das wars dann wohl, Herr Rohrbach. Wer in den vergangenen Wochen offene Ohren und ein paar Drähte zu Ihrem Arbeitsplatz am BKW-Hauptsitz hatte, konnte die Gerüchte nicht überhören: Verwaltungsratspräsident Urs Gasche und Sie hätten das Heu nicht auf der gleichen Bühne, wurde da aus mehr als nur einer Ecke geraunt.

Nun werden Sie also zum vollamtlichen Vizepräsidenten des Verwaltungsrats befördert. Als dieser sollen Sie im Rahmen der Reorganisation der BKW zur Holding «für die strategisch notwendigen Anpassungen Vorschläge erarbeiten». Das klingt ehrlich gesagt nicht sehr prickelnd. Jedenfalls sicher weniger prickelnd, als die Aussicht, noch Jahre mit Haken und Ösen für den Weiterbetrieb des AKWs Mühleberg zu kämpfen, an das Sie ja scheinbar unvermindert glauben.

Nun wissen wir aus der Geschäftswelt, dass nicht jede Beförderung zwingend einen Schritt nach oben bedeutet. Manchmal führt eine Beförderung den Beförderten auch einfach ein Stück näher zum Ausgang. Immerhin bietet Ihnen die BKW auf dem Weg dorthin eine goldene Brücke an: Noch etwas an der neuen Geschäftsstrategie mitdenken, noch etwas von Ihrem (zweifellos immensen) Wissen einbringen, und dann als Verwaltungsrat abtreten.

Wenn Sie das rechtzeitig tun – die Holding-Struktur der BKW soll per 1. Januar 2014 Tatsache werden – müssen Sie vielleicht nicht einmal mehr die Abschaltung des AKWs Mühleberg als Führungsmitglied der BKW miterleben. Eigentlich kein schlechter Deal, finden Sie nicht auch?

Der erste national-ökologisch-solare Genussartikel

Darauf hat die Welt gewartet: Das „erste nationale Solargebäck“ kommt in die Bäckereien.

Atomenergie? Ein Auslaufmodell. Kohle, Gas und Öl? So fossil wie ihre Bestandteile. Denn jetzt, hochverehrtes Publikum, wird ernst gemacht mit der Förderung der erneuerbaren Energien. Jetzt kommt der Solarkrapfen.

Ausgerechnet am 3. Mai, am «Tag der Sonne» hat das neue, einzigartige, ökologische Produkt das Licht von ein paar ausgewählten Backstuben erblickt. Und von dort aus soll der Solarkrapfen, das «erste nationale Solargebäck» weiterleuchten. «Durch die enge Zusammenarbeit mit den Bäckereien und Konditoreien der ERFA Gruppe ARTisanal» , so teilt der Berner Energiekonzern BKW mit, sei ein «genussvolles und ökologisches Süssgebäck aus Blätterteig, gefüllt mit Walliser Aprikosen, entstanden»: «Der Solarkrapfen, das erst nationale Solargebäck, wird aus zertifizierter Sonnenenergie unter dem Label 1to1 energy sun star hergestellt. Mit dem Erlös aus dem Solarkrapfen wird die Produktion der Solarenergie gefördert und somit der Anteil der neuen erneuerbaren Energien in der Schweiz.»

Potzheilandtonner wird da jetzt die Kritik an der BKW verstummen, sie unternehme nicht genug für die Förderung der erneuerbaren Energien! Das Volk wird die Bäckereien stürmen und sich am Ladentisch erbitterte Schlachten darum liefern, wer mehr fördern darf. „Bitte vier erste nationale Solargebäcke“, wird in Bäckereien zwischen Genf und Romanshorn zum geflügelten Wort werden. Wenn Coop und Migros nicht subito nachziehen, können sie ihre Backwarenabteilungen in ein paar Wochen dichtmachen, denn angesichts des unzweifelhaften Erfolgs des Solarkrapfens wird die BKW spätestens zum Sommeranfang das erste nationale Solarbrot lancieren. Bis zur ersten nationalen Solarcervelat ist es dann bloss noch eine Frage der Zeit.

Und irgendwann in der nahen Zukunft, wenn wir nach einem üppigen ersten nationalen Solarrindssteak mit den ersten nationalen Solarpommesfrites bei einem ersten nationalen Solarschnäpschen sitzen und in der ersten nationalen Solarzeitung lesen, dass sich die BKW immer noch dagegen wehrt, dass das zweite nationale Atomkraftwerk abgeschaltet wird, werden wir uns irgendwie ein wenig verarscht vorkommen.