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Photovoltaik: Nicht nur der Deckel muss weg

Der «Deckel» bei der Kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV) gilt als das grosse Hindernis für Solarstrom. Die wahren Bremser sind jedoch unwillige Elektrizitätswerke.

Rainer Sturm/pixelio.de

Die Warteliste umfasst mehrere tausend Namen. Wer heute eine Photovoltaikanlage für die Kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) anmeldet, kann realistischerweise bestenfalls in zwei Jahren von den Bundesgeldern für Solarstrom profitieren. Das Problem ist der so genannte «Deckel» für Photovoltaik: Maximal 10 Prozent der Fördergelder dürfen laut Gesetz für Solarstromanlagen ausgegeben werden. In der Solarbranche ist der Ärger über diese Limite gross, politische Vorstösse jedoch blieben bisher erfolglos.

Und selbst wenn der ungeliebte «Deckel» dereinst verschwinden sollte, wird für Besitzer von PV-Anlagen nicht eitel Sonnenschein herrschen, den je nach Standort ihrer Anlage kassiert das lokale Elektrizitätswerk einen happigen Teil des Gewinns gleich wieder ab – legal und ziemlich willkürlich. Der Grund dafür ist die so genannte Lastgangmessung, welche Besitzer von Anlagen mit KEV-Vergütung (und solche mit einer Leistung von mehr als 30 Kilowatt) von Gesetzes wegen installieren müssen: eine Messeinrichtung, mit der das lokale EW automatisch und per Fernauslesung die Stromproduktion ermitteln kann.

Eine Untersuchung von Swissolar vom Herbst 2011 zeigt, dass die EWs diese Lastgangmessung zu völlig unterschiedlichen Tarifen verrechnen: Von null bis 2620 Franken pro Jahr reichte die Bandbreite der Tarife, die dem Branchenverband auf Anfrage gemeldet wurden – Ausreisser gegen oben nicht ausgeschlossen: Von 800 angefragten Elektritzitätswerken antworteten lediglich 166. «Zusammen mit den weiteren Gebühren entstehen somit für den Besitzer der Anlage unter Umständen so hohe Kosten, dass die Erträge gleich wieder aufgefressen werden», kritisiert Swissolar-Geschäftsführer David Stickelberger im aktuellen «Beobachter».

In einem Schreiben vom Mai 2011 stellt zwar die Regulierungsbehörde ElCom fest, ein Tarif von 600 Franken pro Jahr habe sich als «nicht auffällig» erwiesen (sprich: sei angemessen), aber dies ist eine blosse Empfehlung: Verbindliche Tarife kann die ElCom nicht anordnen. So bleibt es jedem einzelnen EW überlassen, ob es die Produktion von Solarstrom fördern oder behindern will – eine höchst unbefriedigende Situation. Für die Politik bleibt somit einiges zu tun. Will sie den Atomstrom – unter anderem – mit Strom aus PV-Anlagen ersetzen, so muss sie nicht nur der KEV-Deckel endlich aufheben, sondern per Gesetz auch die Stromversorger zur echten PV-Förderung verpflichten.

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BFE-Direktor «sehr erstaunt» über gestutzte BKW-Ziele

Die Absicht der BKW, ihre Ausbauziele für erneuerbare Energien um 40 Prozent zu reduzieren, stösst beim Bundesamt für Energie (BFE) auf Kopfschütteln. Er «staune sehr, dass die BKW nun erklären, die Ziele liessen sich nicht erreichen, bloss weil sie auf etwas Widerstand gestossen sind», sagt BFE-Walter Steinmann in einem Interview im «Beobachter». Die «Kostendeckende Einspeisevergütung» (KEV) für erneuerbare Energien sei erst seit zwei Jahren in Kraft: «Immerhin haben wir bis 2030 noch 19 Jahre vor uns, in denen man Projekte realisieren kann.»
Die BKW hatte am 10. Januar bekannt gegeben, dass sich ihr ursprüngliches Ziel, bis 2030 insgesamt 1000 Gigawattstunden Strom aus erneuerbaren Energien zu produzieren, nicht erreichen lasse. Als Gründe nannte der Berner Stromkonzern insbesondere hohe bürokratische Hürden und die Opposition von Umweltorganisationen und der Bevölkerung.
Die Stromproduzenten hätten gewusst, dass die Zusicherung von KEV-Geldern für ein Projekt keine Garantie sei, dass man dieses auch bauen könne, kritisiert Steinmann: «Man kann nun mal nicht einfach sagen, man wolle ein neues, „grünes“ Krafwerk bauen, und erhält dann automatisch eine Bewilligung.»
Auch die Opposition gegen zahlreiche Projekte überrascht den BFE-Direktor nicht: «Was immer wir in der kleinräumigen Schweiz planen: Es wird immer Diskussionen und Opposition geben.» Diese hätten sich die Stromversorger auch selber zuzuschreiben, weil sie in einer «Goldgräberstimmung» flächendeckend Projekte initiierten: «Plötzlich galt jeder Bergbach als möglicher Standort für ein Kleinwasserkraftwerk.»
Steinmann sieht durchaus auch Positives in diesem Widerstand. Die Stromproduzenten seien realistischer geworden, und er sei «absolut überzeugt», dass die ursprünglichen Ziele noch erreichbar seien. Dazu könne er sich auch Ökostromquoten für Stromversorger und Grossverbraucher vorstellen.

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Goldgräber mit Spraydosen-Phobie

Im Frühling 2008 wars, da witterte die Strombranche Morgenluft. Die «Kostendeckende Einspeisevergütung» (KEV), die das Bundesamt für Energie damals ankündigte, war für sie wie ein Millionenlos mit garantierten Gewinnchancen. Die KEV, mit der die Stromproduktion aus Wind, Sonne, Kleinwasserkraft und Biomasse gefördert wird, machte jedes einigermassen anständig bemessene Scheunendach zu einer möglichen (und rentablen!) Solarstromfabrik und jeden halbwegs fliessenden Bergbach zur potentiellen Geldquelle. Goldgräberstimmung machte sich breit. Und weil neben den Profiten auch noch ein kräfiger Imagegewinn lockte («Seht her, wir sind umweltfreundlich!») zogen Heerscharen von Technikern aus, sich das Land untertan zu machen. Genauer: die Bergbäche im Land. Ingenieure von verschiedenen Stromkonzernen vermassen jedes Rinnsal auf seine Eignung für ein mögliches Kleinwasserkraftwerk, zeichneten Pläne und reichten diese ein, auf dass das Bundesgeld fliesse. Über 600 Projekte für Kleinwasserkraftwerke zählte man beim Bundesamt für Energie (BFE). 0,2 Prozent des Stromverbrauchs sollten so dereinst gedeckt werden können.

Allein im Kanton Bern sollten nach den Projekten 90 von ihnen Strom liefern. Ob am unberührten Färmelbach an der Lenk, im malerischen Roselauital oder am Bachläger-Wasserfall in Grindelwald: Kein Bach war zu klein, als dass er nicht ins Visier der Kraftwerkbauer kam. Der Schutz der oftmals unberührten Landschaften spielte dabei für die Stromkonzerne keine Rolle. Bei über zehn Prozent der eingereichten Projekte ortete das BFE denn auch die Gefahr einer möglichen Umweltzerstörung.

Dazu mochte jedoch an einigen Orten die Bevölkerung nicht Hand bieten. In Grindelwald etwa sammelte ein Komitee Unterschriften gegen die Verbauung des Bachläger-Wasserfalls. Für ein «so idiotisches Kraftwerk» lasse er sicher nicht zu, dass die von den Touristen geschätzte unberührte Landschaft zerstört werde, erklärte Walter Steuri, ehemaliger Direktor der Jungfraubahnen, im «Beobachter». Über 1600 Grindelwaldnerinnen und Grindelwaldner waren gleicher Ansicht und unterschrieben seine Petition.

Nun sind sie nach Lesart der BKW schuldig oder zumindest mitschuldig: Daran nämlich, dass der Berner Stromkonzern sein ursprüngliches kommuniziertes Ziel, bis ins Jahr 2030 eine Terawattstunde Strom mit erneuerbaren Energien zu produzieren, bereits zwei Jahre nach Einführung der KEV (und knapp 20 Jahre vor dem selber definierten Zeitpunkt) für unrealistisch erklärt. Continue Reading →

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