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Noah hätte keine Freude

©Waugsberg
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Die Migros verspricht mehr Bienenschutz – und hält sich nicht daran.

Es ist eine schöne Zusage, die die Migros im Rahmen ihres Nachhaltigkeitsprogramms «Genera­tion M» macht: «Wir versprechen ­Noah, ab Ende 2014 nur noch Insekten- und Pflanzenschutzmittel anzubieten, die Bienen nicht gefährden.» Die verkündete hehre Absicht hält einer Überprüfung jedoch nur beschränkt stand. Zwar nahm der Grossverteiler bereits vor einem Jahr ein Insektizid mit dem für Bienen gefährlichen Wirkstoff Thiamethoxam aus dem Handel.

Zudem sind im Februar drei andere Schädlingsbekämpfungsmittel aus den Regalen verschwunden. Drei weitere Insektizide will die ­Migros jedoch ersetzen – durch den Wirkstoff Lambda-Cyhalothrin, der ebenfalls als bienengefährdend gilt. So findet sich in der Pflanzenschutzmittel-Datenbank des Bundesamts für Landwirtschaft neu der «Mioplant Spray gegen Schäd­linge», versehen mit dem Hinweis: «Gefährlich für Bienen». Man stütze sich auf eine Liste der Umweltorganisation Greenpeace und auf Angaben des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL), teilt die Migros-Medienstelle mit. Das FiBL habe den Wirkstoff Lambda-Cyhalothrin «nicht bemängelt».

Dort sieht man das allerdings etwas anders: «Wir hatten gar keinen Auftrag, die Substanz genauer zu unter­suchen. Aber wir haben generell darauf hingewiesen, dass synthetische Pestizide für 
die Umwelt schädlich sind», sagt FiBL-Forscher Bernhard Speiser. Womit Noah am Versprechen der Migros wohl endgültig keine Freude mehr hätte.

Dieser Artikel erschien ursprünglich im Beobachter 6/2014.

Pyrrhus parkiert

Hat nun der VCS nicht gewonnen? Oder haben Migros und OBI nicht verloren? Oder hat der Verkehrsclub ein klein wenig gewonnen und die beiden Grossverteiler haben fast nicht verloren?

Tatsache ist: Ab dem 4. Oktober müssen Autofahrerinnen und Autofahrer beim Shoppyland Schönbühl bei Bern Parkgebühren bezahlen. Es ist die Konzession, die der orange Riese und der Baufachmarkt an den VCS machen mussten, damit dieser die Einsprache gegen den neuen OBI-Fachmarkt und den Totalumbau des Shoppingcenters zurückzog. Ein kleiner Triumph für die Umweltorganisation, erreicht dank dem Verbandsbeschwerderecht.

Ein Triumph allerdings, der angesichts der nun verlangten Parkgebühren zu einem Pyrrhussieg verkommt. Ganze 50 Rappen für die ersten zwei Stunden verlangen Migros und OBI. Fünf Stunden kosten gerade einmal zwei Franken. Erst danach steigen die Tarife an, weil man kein Interesse an Langzeitparkierern hat. Die ursprüngliche Idee des VCS, durch kostenpflichtige Parkplätze den Gebrauch des eigenen Wagens unattraktiv zu machen und die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu fördern, wird so ad absurdum geführt.

Wenn bürgerliche Politiker angesichts solcher Schlaumeiereien immer noch die Abschaffung des Verbandsbeschwerderechts fordern, so haben sie offenbar bloss noch nicht begriffen, wie leicht sich dieses aushebeln lässt.

Energieeffizienz: Abwarten und Kaffee trinken

Es sollte eine gute Nachricht sein: Dank neuer Energieetikette für Kaffee­maschinen werde es einfach, stromsparende Modelle auszuwählen, verkündete das Bundesamt für Energie (BFE) im Oktober – eine Ankündigung, an der der Energie- und Umweltblogger schon damals zweifelte, und das aus einem simplen Grund: Die Etikettierung ist freiwillig

Ein gutes halbes Jahr später zeigt sich, dass weder Händler noch Hersteller es besonders eilig haben, die Energieeffizienz der Geräte tatsächlich auszuweisen. Interdiscount will die Etikette im Herbst einführen, Fust «voraussichtlich im Herbst/Winter 2010». Die Migros erklärt, man sei bestrebt, «so bald wie möglich alle Geräte deklarieren zu können», aber: «Da die Schweiz hier international Vorreiter ist, sehen gewisse Produzenten aufgrund ihrer internationalen Ausrichtung teilweise zu wenig Handlungsbedarf.»

Rudolf Bolliger vom Fachverband Elektroapparate spielt den Ball an den Handel zurück: Die Kriterien für die Etikette seien so streng, dass nur ein kleiner Teil der Geräte in die Kategorie «A» komme. Weil der Detailhandel A-Geräte bevorzuge, sei es für die Hersteller nicht attraktiv, ihre Maschinen zu kennzeichnen.

Für BFE-Sprecherin Marianne Zünd ist die Etikette trotzdem «eine Erfolgsgeschichte»: «Bereits als mit der Erarbeitung der Etikette begonnen worden war, stellten die Hersteller ihre Produktion auf energieeffizientere Kaffeemaschinen um.» Bloss komisch, dass sie das nicht deklarieren.

Dieser Beitrag ist in Beobachter 11/10 erschienen.


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