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Noah hätte keine Freude

©Waugsberg
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Die Migros verspricht mehr Bienenschutz – und hält sich nicht daran.

Es ist eine schöne Zusage, die die Migros im Rahmen ihres Nachhaltigkeitsprogramms «Genera­tion M» macht: «Wir versprechen ­Noah, ab Ende 2014 nur noch Insekten- und Pflanzenschutzmittel anzubieten, die Bienen nicht gefährden.» Die verkündete hehre Absicht hält einer Überprüfung jedoch nur beschränkt stand. Zwar nahm der Grossverteiler bereits vor einem Jahr ein Insektizid mit dem für Bienen gefährlichen Wirkstoff Thiamethoxam aus dem Handel.

Zudem sind im Februar drei andere Schädlingsbekämpfungsmittel aus den Regalen verschwunden. Drei weitere Insektizide will die ­Migros jedoch ersetzen – durch den Wirkstoff Lambda-Cyhalothrin, der ebenfalls als bienengefährdend gilt. So findet sich in der Pflanzenschutzmittel-Datenbank des Bundesamts für Landwirtschaft neu der «Mioplant Spray gegen Schäd­linge», versehen mit dem Hinweis: «Gefährlich für Bienen». Man stütze sich auf eine Liste der Umweltorganisation Greenpeace und auf Angaben des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL), teilt die Migros-Medienstelle mit. Das FiBL habe den Wirkstoff Lambda-Cyhalothrin «nicht bemängelt».

Dort sieht man das allerdings etwas anders: «Wir hatten gar keinen Auftrag, die Substanz genauer zu unter­suchen. Aber wir haben generell darauf hingewiesen, dass synthetische Pestizide für 
die Umwelt schädlich sind», sagt FiBL-Forscher Bernhard Speiser. Womit Noah am Versprechen der Migros wohl endgültig keine Freude mehr hätte.

Dieser Artikel erschien ursprünglich im Beobachter 6/2014.

Eine Friedensnobelpreisträgerin «up in arms»

Ein rotes Tuch für Diktatoren, ein Vorbild für Millionen Menschen: Die Friedensnobelpreisträgerin Wangari Maathai hat ein Leben lang in Afrika für Umweltschutz und Menschenrechte gekämpft – und dabei weder den Humor noch die Hoffnung verloren. Eine Begegnung mit einer Kämpferin.

maathai_7252f6fa48Die Professorin für Biologie an der Universität Nairobi gründete Mitte der 70er-Jahre gemeinsam mit anderen Frauen das «Green Belt Movement», die «Grün-Gürtel-Bewegung»: Mit der Verteilung von Baum-Setzlingen versuchte sie, die Probleme im ländlichen Kenia zu bekämpfen: Lebensmittel- und Brennholzknappheit, Wassermangel und Rivalitäten aufgrund fehlender oder mangelnder Ressourcen. Die Bewegung entwickelte sich trotz Rückschlägen rasant und ist heute in weiten Teilen Afrikas bekannt: Rund 40 Millionen Bäume wurden in den vergangenen 30 Jahren dank dem «Green Belt Movement» gepflanzt.
Maathais Organisation war jedoch schon in den frühen Jahren weit mehr als eine Umweltbewegung: Mit ihrem Einsatz für Meinungsfreiheit und Demokratie war sie eine unerschrockene Herausfordererin für den kenianischen Diktator Daniel arap Moi. Mehr als einmal wurde die Kämpferin für Umweltschutz und Menschenrechte deshalb von Schergen des Regimes zusammengeschlagen und verhaftet.
Maathais Engagement fand jedoch schon bald weltweit Resonanz. Die Professorin ist Trägerin zahlreicher Auszeichnungen, darunter auch die prestigeträchtigste überhaupt: 2004 wurde Wangari Maathai mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.
Stiller ist sie dadurch nicht geworden, im Gegenteil. Sie habe «immer noch ständig Probleme», erzählt sie und amüsiert sich köstlich darüber: «Wenn die Regierung Bestimmungen erlässt, die für die Umwelt schädlich sind, dann sind wir “up in arms” – natürlich nicht im wörtlichen Sinn!».

Lesen Sie dazu das Interview mit der Friedensnobelpreisträgerin in BeobachterNatur 3/09.

Webseite des Green Belt Movement


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