UBS sponsert Elektroschrott

Kein Weltrekord, kein Schweizerrekord, dafür aber ganz viele Cüplis und ein Stadionsprecher, der einen Abend lang versuchte, dem 82. Leichtathlektik-Meeting von Zürich verbal zum Prädikat «Weltklasse» zu verhelfen: Zumindest für den Energie- und Umweltblogger zog sich der Donnerstagabend im Letzigrundstadion etwas gar lang dahin. Aber dann, als alle Stars geehrt und die letzten Ehrenrunden gelaufen waren, kam doch noch Stimmung. Jetzt dürfe nämlich das Publikum mitmachen, verkündete der wirblige SF-Moderator Jann Billeter und erinnerte die Zuschauerinnen und Zuschauer an das blaue Ding, das ihnen beim Eingang ungefragt in die Hand gedrückt worden war: ein Solarlämpchen mit blauen oder weissen Dioden und einem Schlüsselanhänger. Das Stadionlicht wurde gelöscht, die Tribüne funktelte von 26 000 blauen und weissen Pünktchen, und auf den Rängen stöhnte man brav «Ahh» und «Ohh». Richtig heimelig schön wars im «schönsten Leichtathletikstadion der Welt» (Meeting-Direktor Patrick Magyar).

Dumm nur, dass schon auf dem Heimweg Zweifel an der ganzen Aktion kamen. Die Lämpchen, gesponsert von der UBS, hatten nämlich mit ihren fünf Minuten Funkeln ihren Zweck erfüllt. Als Schlüsselanhänger, das sei einfach mal behauptet, werden die wenigsten der 26 000 das Ding benützen, zumal ihm ein Denkfehler zugrunde liegt: Ein solar betriebenes Gerät braucht per definitionem früher oder später Sonne, und diese scheint nun mal nicht in Hosen- oder Handtaschen (wo Schlüsselanhänger im Normalfall aufbewahrt werden). Solarzellen, ein Akku und drei Leuchtdioden (das Ganze mal 26 000): Dem Energie- und Umweltblogger scheint das etwas gar viel wertvolles Material für fünf Minuten Publikumsbelustigung.

So bleibt denn nebst der Erinnerung an ein funkelndes Stadion bloss die Erkenntnis, dass Sponsor und Veranstalter in die klassische HappyMeal-Falle getappt sind. Die UBS-Solarlämpchen werden nämlich in den allermeisten Fällen das gleiche Schicksal erleben wie die Spielzeuge in den Kindermenüs von MacDonald’s. Auch diese machen auf Knopfdruck meist irgend etwas (meistens «Aarghh», oder «Gotcha») – und sind beim Verlassen des Lokals für die lieben Kleinen schon nicht mehr interessant. Daheim landen die Spielzeuge dann – manchmal mit einem mehrwöchigen Umweg über den Schrank im Kinderzimmer – früher oder später in der Kiste für den nächsten Flohmarkt. Und nach diesem im Abfall.


Bookmark and Share

Print Friendly

Kommentar verfassen