Und alles wird gut

© Th. Angeli 2012
Sie werden es bemerkt haben, liebe Leserin, lieber Leser: Ich war mal kurz weg. Weit fort Überflutungsgefahren, Erdbebenstudien, Ausstiegsszenarien und all den übrigen Vewerfungen der Energiepolitik, mit denen ich mich in diesem Blog immer wieder beschäftige. Ganz ehrlich: In Zukunft ziehe ich öfter mal eine Auszeit ein. Denn kaum verbringe ich einmal ein paar Monate ausser Landes, fernab von Beznaumühleberggösgenleibstadt, nimmt diese Energiepolitik eine geradezu beängstigende Dynamik an. Und alles wird gut.

Sie glauben mir nicht? Gehen wir doch die wichtigsten Punkte kurz durch:

Die Schweizer Atomkraftwerke sind jetzt sicher. Zugegeben, das ist ein alter Hut, aber nun wissen wir endlich warum: Weil das Nuklearsicherheitsinspektorat ENSI dies als «Arbeitshypothese» (ENSI-Direktor Hans Wanner) nun mal einfach so annimmt. Und da Arbeitshypothesen nun einmal dazu da sind, um verifiziert zu werden (denn falsifizieren bedingt ein Umdenken, und das ist anstrengend), sind die Schweizer Atomkraftwerke sicher. So einfach ist das.

Erdbeben sind folglich für die Schweizer AKWs kein Problem. Man muss bloss mit den richtigen Zahlen rechnen. Wie das geht, demonstriert die Mühleberg-Betreiberin BKW in einem Rechenbeispiel: Wenn man die richtigen Annahmen trifft und die kritischen Werte aus den Berechnungen ausklammert, so kommt man fast automatisch auf ein Resultat, das der ENSI-Arbeitshypothese entspricht.

Der Atomausstieg kann warten. Ja wer wollte denn solch sichere AKWs abschalten, liebe Leserin, lieber Leser? Und damit den Strommanagern im Land ihr Lieblingsspielzeug wegnehmen? Energieministerin Doris Leuthard ist gerade noch zur Besinnung gekommen. Man könne die AKWs doch auch 60 Jahre laufen lassen, meinte sie kürzlich (und, da bin ich mir sicher, völlig unbeeinflusst von intensiver Lobbyarbeit von Wirtschaftsvertretern). Denn sicher ist sicher (sagt die Arbeitshypothese).

Das Problem mit den überkritischen Fachleuten ist praktisch gelöst. Diese hatten – selbstverständlich völlig unangebracht – in den vergangenen Jahren die Entscheide des ENSI unter die Lupe genommen. In einem schlicht wegweisenden Entscheid hat der Bundesrat aufgezeigt, wie man solche Stänkerer, wie sie in der Kommission für die nukleare Sicherheit (KNS) sitzen, zum Schweigen bringt: Man entschädigt sie für ihre Arbeit nicht nach Aufwand, sondern speist sie mit einem Sitzungsgeld von 600 Franken ab. Damit stellt man sicher, dass sie nicht zu tief in die Materie hineinschauen. Der Erfolg gibt dem Bundesrat Recht: Seit dem Entscheid sind zwei Mitglieder der KNS zurückgetreten. Dass eines davon, der Geologe Marcos Buser, sich nun über die Kumpanei zwischen Kontrolleuren und Kontrollierten in der Atombranche äussert, ist zwar für alle Beteiligten ärgerlich, aber entbehrt mit Sicherheit jeglicher Grundlage. Schliesslich sind die Kontrolleure des ENSI mindestens ebenso unabhängig wie die Schweizer AKWs sicher (auch eine Art Arbeitshypothese, oder?).

Sie sehen, liebe Leserin, lieber Leser: Eigentlich sollte ich tatsächlich öfter mal Pause machen, denn die Probleme, über die ich schreibe, lösen sich dann offensichtlich alle wie von selbst. Vorerst bleibe ich aber mal hier – und werde Sie gelegentlich wieder auf das eine oder andere noch verbliebene Problemchen aufmerksam machen.

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