Wie Thierachern ein Licht aufging

Würde man in ein paar Wochen nachts zwischen ein und fünf Uhr durch ein riesiges Weltraumteleskop auf die Schweiz blicken und dabei ganz nah heranzoomen, man würde in der Umgebung von Thun einen kleinen schwarzen Fleck entdecken: Thierachern. Spätestens ab dem 1. Juli 2010, so hat der Gemeinderat der 2295-Seelen-Gemeinde beschlossen, wird in den frühen Morgenstunden die Strassenbeleuchtung ausgeschaltet. Thierachern will Energie sparen und gleichzeitig den Nachthimmel weniger mit Licht verschmutzen.

Nun mag man – zu Recht – einwenden, dass Thierachern nicht eben als die Party-Meile der Schweiz bekannt ist, und dort die Notwendigkeit für beleuchtete Strassen zwischen eins und fünf Uhr morgens nicht zwingend gegeben ist. Und man mag feststellen, dass Thierachern damit «nur» etwa 24 500 Kilowattstunden Strom und somit 4500 Franken im Jahr spart.

Ist man der Initiative etwas wohlgesinnter, so stellt man fest, dass der eingesparte Strom immerhin dem Jahresverbrauch von sechs Haushaltungen entspricht – und dass das nur sekundär ist. In Zeiten, in denen Grossunternehmen, Städte und Privatpersonen ihr Umweltbewusstsein dadurch demonstrieren müssen, dass sie einmal im Jahr während der «Earth Hour» während gerade mal einer Stunde das Licht löschen, schaltet Thierachern während vier Stunden ab. An 365 Tagen im Jahr statt bloss an einem. Nicht wegen einer Seht-her-wie-grün-wir-sind-PR-Aktion, sondern einfach, weil es Sinn macht.

Irgendwie ist den Thierachern ein gewaltiges Licht aufgegangen.


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